"Bisher erfolgte noch nie eine Untersuchung mittels Computertomographie (CT) an einem altägyptischen Krokodil," sagt Brigitte Templin von der Völkerkundesammlung. In europäischen Museen gäbe es nur einige wenige ausgewachsene Exemplare. Das in Lübeck ist eine große Seltenheit. Es mag ein Lebensalter von etwa fünf Jahren erreicht haben. Mit der CT-Untersuchung im Institut für Radiologie der Medizinischen Universität zu Lübeck sollte die Frage geklärt werden, ob an dem Krokodil irgendwelche mumifizierenden Maßnahmen vorgenommen wurden.
Es ist kaum etwas darüber bekannt, wie die Körper der als heilig betrachteten Tiere behandelt wurden. Erfolgte etwa eine Balsamierung, ähnlich wie am Menschen mit Organentnahme, Austrocknen mit Natronsalz und Verwendung von Salzölen? Nur für die Balsamierung des heiligen Apis-Stieres ist eine schriftlich Anweisung erhalten. Für andere Tierarten kann nur die Untersuchung der erhaltenen Exemplare Auskunft geben.
Das Ergebnis der Untersuchung, die unter der Leitung von Privatdozent Dr. Martin Zwaan im Beisein der Mumienexpertin Dr. Renate Germer und Brigitte Templin stattfand, weist darauf hin, daß der präparatorische Aufwand, der bei dem Lübecker Krokodil betrieben wurde, äußerst gering war. Es fanden Zerfallsprozesse statt. Stehengeblieben sind Knochen, Panzer und Bindegewebsfetzen, die zum Teil verkalkt sind. Wenn überhaupt Fremdmaterial eingeführt wurde, dann nur spärlich. Es kann davon ausgegangen werden, daß das Krokodil sich infolge der trockenen und salzhaltigen Umgebung auf natürliche Weise mumifizierte.
Die Untersuchung wurde von einem "Spiegel-TV"-Team gefilmt. Der Film wird Anfang Dezember in der Reihe "Spiegel-TV" bei VOX ausgestrahlt. Das mumifizierte Krokodil ist noch bis zum 30. November in der Völkerkundesammlung zu sehen im Rahmen der laufenden Ausstellung: "Wie willst Du den Gott schauen, wenn nicht im Tiere? - Tierdarstellungen im pharaonischen Ägypten." Die Völkerkundesammlung, Parade 10, ist täglich , außer montags -,geöffnet von 10 bis 16 Uhr. +++
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