970538RK 1. Oktober 1997

Slawische Siedlung auf dem Lübecker Stadthügel entdeckt

Lübeck ist älter als bisher angenommen. Erstmalig entdeckten Archäologen im nördlichen Stadtbereich Spuren einer slawischen Siedlung, die möglicherweise fast 1200 Jahre alt ist. Sie befand sich nicht wie vermutet im Süden der Burg am Koberg, sondern östlich in Richtung Wakenitz. Ob die Burg mit der dazu gehörenden Siedlung bereits einen Stadtcharakter hatte, wie die Anlage von Alt-Lübeck, steht noch offen und bedarf weiterer Untersuchungen.

Lübecks Kultursenator Ulrich Meyenborg stellte die Rettungsgrabung in der Kleinen Gröpelgrube am Mittwoch, 1. Oktober, vor. Da die Grabung sich auf den heutigen Straßenraum begrenzt, bleiben Siedlungsgröße und Umfang weiterhin offen. Die freigelegten Befunde und Funde lassen aber einiges über das Leben der Slawen erkennen. Aus zwei bis 40 Zentimeter mächtigen Kulturschichten wurde eine Menge Keramik geborgen, die die Siedlung in die Zeit vom 8. bis zum 12. Jahrhundert datiert.

Eine erfaßte Siedlungsgrube von drei Metern Breite und etwa ein Meter Tiefe ist als Grubenhaus anzusehen. Grubenhäuser waren bei den Slawen der traditionelle Gebäudetyp. Außerdem wurden zwei Feuerstellen freigelegt, wobei eine mit großer Wahrscheinlichkeit mit dem Betrieb einer Töpferei in Verbindung steht. In der Feuerstelle befanden sich noch mehrere Granitsteine, die erhitzt und danach mit Wasser abgeschreckt worden sind, damit sie sich leichter zermahlen ließen. Der Granitgrus diente den slawischen Töpfern als Magerung für die Tonmasse.

Die Töpfereitradition überlebte offensichtlich bis in die deutsche Zeit, denn 1297 wird die Straße erstmalig als "parva platea lutifigulorum", also als kleine Straße der Lehmtöpfer, erwähnt. Auch der deutsche Straßenname deutet auf "Groper" - die Töpfer - hin. Eine Töpferei aus der Zeit um 1200, die bereits deutsche Harte Grauware produzierte, wurde in der Kleinen Burgstraße archäologisch nachgewiesen. +++



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