970650RK 14. November 1997

Ausstellung im St.-Annen-Museum: Kunst und Mäzenatentum

"Kunst und Mäzenatentum - Die Familie Linde in Lübeck" ist der Titel einer Ausstellung, die das Lübecker St.-Annen-Museum von Sonntag, 16. November, bis zum 4. Januar zeigt. In Lübeck sind heute zahlreiche Künstler tätig. Mäzenaten setzen sich engagiert für die Kunst in Lübeck ein. Daß sich aber praktisches Kunstschaffen und Mäzenatentum über anderthalb Jahrhunderte in einer Familie konzentrieren, ist eine Besonderheit. Zu sehen sind unter anderem selten gezeigte Werke und erstmals ausgestellte Briefe.

Vier Generationen der Familie Linde verschiedenesrieben sich der jeweils modernen Kunst ihrer Zeit. Die Ausstellung konzentriert sich auf die Spuren, die einzelne Familienmitglieder im Museum für Kunst und Kulturgeschichtete hinterließen. Zu sehen sind rund 70 Arbeiten aus den verschiedenesiedenen Generationen und die von Edvard Munch im Auftrag von Max Linde geschaffenen Werke.

Der Stammvater der Familie, der Apotheker Hermann Linde der Ältere, ließ sich 1852 in Lübeck nieder. Er widmete sich neben seiner beruflichen Tätigkeit der Photographie. Ein Atelier in der Johannisstraße (heute Dr. Julius-Leber-Straße) zählte zu den führenden Häusern der Portraitkunst. Die Ausstellung zeigt Aufnahmen aus den ersten Jahren der Photographie, Portraits von Lübecker Familien und Ansichten der Stadt.

Aus seiner Ehe mit Katinka Stolle, Tochter des Malers Christian Peter Stolle, gingen acht Kinder hervor. Mit dem ältesten Sohn Max Linde, 1862 geboren, erreichte die Familie Ruhm weit über Lübecks Grenzen hinaus. Max Lindes herausragende Sammlung internationaler zeitgenössischer Kunst mit dem Schwerpunkt auf den französischen Impressionisten, Auguste Rodin und Edvard Munch suchte in Deutschland ihresgleichen. Als Förderer und Vorreiter der modernen Kunst stand er mit bedeutenden Künstlern und Kunstinteressierten in unmittelbarem Austausch. Sein Haus in der Ratzeburger Allee, das heutige Standesamt, wurde zu einem internationalen Treff- und Anziehungspunkt.

Die Stadtbibliothek stellte für die Schau eine Reihe kürzlich erworbener Originalbriefe von Edvard Munch und Max Liebermann an Max Linde zur Verfügung. Die Briefe werden erstmals der Öffentlichkeit gezeigt. Sie begleiten die Präsentation der Werke, die Edvard Munch in Lübeck als Auftragsarbeit für Max Linde schuf. Darunter befindet sich die nur in wenigen Exemplaren erhaltene und aus konservatorischen Gründen selten gezeigte Mappe graphischer Blätter "Aus dem Haus Linde".

Die Brüder des Sammlers und Mäzens, Hermann Linde der Jüngere, 1863 geboren, und Walther Linde, gen. Linde-Walther, 1868 geboren, wandten sich ebenfalls der bildenden Kunst zu. Mit ihren Arbeiten erlangten auch sie einen Ruf, der über die Grenzen der Hansestat hinausging. Als Mitglied der Berliner Sezession war vor allem Linde-Walther im Kampf gegen die wilhelminische Kunsttradition tätig. Die Ölgemälde spiegeln ihre Sicht der Hansestadt Lübeck sowie ihre Reisen und ihr Schaffen in fernen Ländern wider.

Die folgende Generation ist mit Werken des 1908 geborenen Johann Peter Linde vertreten. Der als Kunsterzieher tätige Maler und Graphiker hielt wie sein Vorbild, der Onkel Linde-Walther, Travemünde in immer neuen Variationen im Bilde fest. Der Reiz dieser Blätter liegt in ihrer Farbfrische und ihrer Spontaneität. Die Arbeiten wurden bisher nur auf wenigen Ausstellungen gezeigt, da Johann Peter Linde stets die Öffentlichkeit scheute.

Die aktuelle Kunst wird durch Metta Linde vertreten. Sie widmet sich der freien Malerei, losgelöst vom Gegenständlichen. Damit setzt sie die Familientradition, sich für die moderne Kunst und ihre Rezeption einzusetzen, bis in die heutige Zeit fort. Die Galerie in Lübeck, die ihren Namen trägt, hat sich ebenfalls zum Ziel gesetzt, nationale und internationale zeitgenössische Kunst zu fördern.

Zur Ausstellung ist ein Informationsheft zum Preis von 7,90 Mark erhältlich. Die Ausstellung im St.-Annen-Museum, St.-Annen-Straße 15, wird Sonntag, 16, November, 11.30 Uhr eröffnet. Die Schau ist täglich - außer montags -, von 10 bis 16 Uhr geöffnet. Anmeldungen für Führungen unter den Telefonnummern 0451-12 24144 oder 37. +++



[Pfeil links]Zurück zu den Pressemitteilungen

   

© Copyright, 2003 Hansestadt Lübeck, Impressum  -  Publishing: LYNET Kommunikation

Lübeck Adler