"Leinen los!" heißt es für die "Passat" am Sonntag, 3. August. An diesem Tag wird der einstige "P-Liner", gebaut für schnelle Fahrten in stürmischer See, von Schleppern die Trave aufwärts bugsiert und in der Lübecker Flender-Werft abgeliefert. Dort wird das Wahrzeichen Travemündes im Dock aufs Trockene gestellt, um zunächst den Rumpf reinigen zu können. Dies ist die Voraussetzung, um den Zustand der Stahlplatten und Nieten exakt bestimmen zu können. Es ist davon auszugehen, daß Nietköpfe und einige Stahlplatten des 1911 in Hamburg gebauten Schiffs ausgetauscht werden müssen, bevor dann ein mehrschichtiger Schutzanstrich den Rumpf der "Passat" langfristig versiegeln soll.
Im nächsten Schritt werden die 56 Meter hohen Masten und die Rahen abmontiert, um sie von Rost zu befreien, zu reparieren und zu konservieren. Dabei wird es erforderlich sein, die gesamte Takelage zu überprüfen und gegebenenfalls auszutauschen. Die Sanierungsarbeiten sollen im Mai kommenden Jahres abgeschlossen sein, so daß die "Passat" rechtzeitig zum Sommerbeginn wieder an ihren Liegeplatz an der Travemündung zurückkehren kann.
Die "Passat", eines der aufsehenerregendsten Denkmale der Hansestadt, das am 16. Juni 1997 zu einem Nationalen Kulturdenkmal erhoben wurde, kann nur deshalb derart umfassend saniert werden, weil eine Vielzahl von Spendern ihr Herz für das "Schwesterschiff" der 1957 verunglückten "Pamir" entdeckten und die Arbeiten finanziell unterstützen. Der Verein "Rettet die Passat", gegründet am 12. Juni 1979 von Mitgliedern des Sportausschusses, sicherte ebenso eine Summe von einer Million Mark zu, wie die Lübecker Possehl-Stiftung, die seit Jahren die Denkmalpflege in der Hansestadt massiv unterstützt.
Gescheitert sind indes alle Versuche der Hansestadt, Zuschüsse über die Europäische Union, den Bund, das Land oder sonstige Programme für die seit 1978 unter Denkmalschutz stehende "Passat" zu erhalten. Dennoch hat sie eine Vielzahl von Spendern gefunden, die dem Verein "Rettet die Passat" dabei halfen, die Summe von einer Million Mark aufzubringen.
Lübecks Bürgermeister Michael Bouteiller dankte anläßlich der Auftragsvergabe an die Werft am 24. Juni allen Spendern, Helfern und städtischen Mitarbeitern, die an dem Sanierungsprojekt beteiligt sind. "Der Erhalt der `Passat' ist ein großartiges Zeichen nicht nur für Lübeck und sein Seebad Travemünde", so der Bürgermeister, "sondern auch eine lobenswerte Treuhänderschaft der See- und Hansestadt für ein bedeutendes Zeugnis der Seefahrts- und Sozialgeschichtete." Bouteiller erinnerte daran, daß die Stadt in den vergangenen Jahren rund 17 Millionen Mark für die "Passat" aufgebracht habe und auch der Unterstützerverein schon 5 Millionen Mark in den Erhalt des Schiffes gesteckt habe.
Ab Montag, 28. Juli, unmittelbar nach Abschluß der 108. Travemünder Woche, wird die Flender-Werft das Schiff für den Transport vorbereiten. Das Sportamt der Hansestadt, das die "Passat" für die Stadt verwaltet, bereitet sich auf ein "Riesenereignis" an der Trave vor. Grund: Die Fahrt am 3. August beweise jedermann, daß Lübecks Wahrzeichen frei schwimme und keineswegs vor dem Priwall einbetoniert sei, wie es ein nicht tot zu kriegendes Gerücht seit Jahren behauptet.
Mitfahrgelegenheiten für Gäste wird es auf dieser ersten Fahrt seit 37 Jahren leider nicht geben, da Sicherheitsbestimmungen und versicherungstechnische Gründe dies verbieten. Die Hansestadt hofft dennoch, daß eine große Anzahl von Wassersportfreunden und Zuschauern den Weg der "Passat" begleiten werden. +++
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