Veranstaltet wurden die schleswig-holsteinischen Filmtage auf Einladung Rigas unter Beteiligung der Deutschen Botschaft und des Goethe-Instituts im prachtvollen Jugendstil-Kino "Riga". Das Festival sollte an filmkulturelle Traditionen anknüpfen und ein Gegengewicht schaffen zu den vielen Hollywood-Produktionen, die mittlerweile die lettischen Kinoleinwände beherrschen. Das Auswärtige Amt unterstützte diese Initiative, so daß die Lübecker Filmemacher Stephan Schlippe und Michael Zamjatnins sowie Claas Danielsen, Schwarzenbek/München, und Karsten Laske aus Berlin, ihre Filme in Riga persönlich vorstellen konnten. Begleitet wurden sie von Kulturamtsleiterin Dr. Ada Kadelbach und Linde Fröhlich vom Kommunalen Kino, die das Programm gemeinsam mit der lettischen Filmkritikerin Anita Uzulniece zusammengestellt hatten.
Die Schau umfaßte insgesamt 16 Spiel-, Dokumentar- und Animationsfilme in sechs Programmblöcken - eine Auswahl aus dem Programm des Filmforums Schleswig-Holstein der Nordischen Filmtage Lübeck aus den letzten drei Jahren. Die meisten dieser Filme wurden mit Unterstützung der Kulturellen Filmförderung Schleswig-Holstein produziert.
Das Programm sollte aber nicht nur ein repräsentatives Bild der kreativen Filmszene im nördlichsten deutschen Bundesland vermitteln, sondern auch Themen ansprechen, die im heutigen Lettland aktuell sind und das Publikum unmittelbar betreffen. "Filme bieten die beste Möglichkeit, die Gegenwart eines Landes wahrzunehmen," betonte Rolf Becker, Sozialattaché der Deutschen Botschaft, in seiner Rede zur Eröffnung der Filmtage. Rolands Jurascevskis, Leiter des Kulturamtes der Stadt Riga, und Dr. Kadelbach verwiesen in diesem Zusammenhang auf die jahrhundertealten kulturellen Verbindungen und die vielen Ähnlichkeiten zwischen beiden Städten.
Davon konnten sich auch die 270 Besucherinnen und Besucher des Eröffnungsprogramms überzeugen, als der Kurzfilm "Lux et Umbra" von C. Cay Wesnigk und Adolf Bollmann lief, der Innenansichten der Lübecker Petrikirche mit Archivaufnahmen von Zerstörung und Wiederaufbau der Stadt kombiniert. Auch Riga hat eine historische Petrikirche, die im Krieg zerstört und erst relativ spät wieder aufgebaut wurde. Sie wird heute nicht nur für Gottesdienste, sondern - wie ihre Schwesterkirche in Lübeck - für Konzerte, Ausstellungen und Begegnungen genutzt. Auch hier kann man mit dem Fahrstuhl den Turm hinauffahren und den Rundblick über die Stadt genießen.
Der Spielfilm "Nana" des in Lübeck aufgewachsenen Regisseurs Miguel Alexandre über ein junges Mädchen, das sich mit einer lebensbedrohenden Krankheit konfrontiert sieht, beeindruckte das Publikum der Eröffnungsveranstaltung stark und löste große Betroffenheit aus. Auch die anderen in Riga präsentierten Spielfilme - "Edgar" von Karsten Laske, "Sööpsch" von Eckhard Blach und Stephan Schlippe, und "Mein lieber Mann" von Eva Maria Bahlrühs - zeigten Menschen in Umbruchsituationen ihres Lebens und stießen auf großes Zuschauerinteresse. Die Dokumentarfilme "Heimatgefühle" von Frank Müller und "Memoiren einer frustierten Hedonistin" von Claas Danielsen stellten die Frage nach nationaler und persönlicher Identität. Bei den Kurzfilmen "Der Steuermann" von Stefan Schneider, "Neulich am Deich" von Janek Rieke, "Mein schönes Husum" von Manfred Jelinski, "Sucram" von Stephan Haase, "Mit dir sofort und ohne Ende" von Antje Hubert, "Ein Konglomerat" von Ira Zamjatnins, "Kleiner Zwischenfall am Nachmittag" von Jürgen Haacks, Antje Hubert und Ute Zamjatnins, wurde ein Schwerpunkt auf Animationsfilme gelegt, da Schleswig-Holstein und Lettland hier beachtliche Traditionen aufweisen.
Ein Besuch der "Animationsbrigade" im Filmstudio Riga zeigte, daß auch heute trotz aller wirtschaftlichen Schwierigkeiten phantasievolle Trickfilme produziert werden. Regisseur Janis Cimermanis und sein Team präsentierten neue Abenteuer ihres "Rettungsteams", einer lustigen Puppentrickserie, deren frühere Folgen schon das Publikum der Nordischen Filmtage Lübeck begeistert haben. Im Studio Riga wird derzeit auch wieder ein Spielfilm gedreht: "Die Schicksalsmühle" von Janis Streics, der mit seinem Film "Cilveka berns (Das Kind des Menschen)" bei den Nordischen Filmtagen Lübeck 1992 vertreten war. Wenn die Dreharbeiten zügig vorangehen, ist der einzige lettische Spielfilm der in diesem Jahr mit staatlicher Unterstützung realisiert werden kann, vielleicht schon im November bei den Nordischen Filmtagen in Lübeck zu sehen. Daneben sind auch einige engagierte Dokumentarfilme zu erwarten. +++
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