Im Neubaugebiet Silberstraße wurden im Zeitraum Dezember 1994 bis Januar 1996 insgesamt 407 Wohnungen des sozialen Wohnungsbaus fertiggestellt. Bereits bei der Vermietung der Wohnungen zeigten sich große Schwierigkeiten "Weil sich dort unterschiedliche Nationalitäten und Menschen in besonderen Lebenslagen konzentrieren und aufeinander treffen", heißt es in der Studie. "Außerdem bestand die Befürchtung, daß das angeschlagene Image des Stadtteils Kücknitz durch eine problematische Belegung des Neubaugebietes Silberstraße verstärkt in Mißkredit geraten könnte."
Eine Befragung im Stadtteil ergab, daß viele Kücknitzer Angst vor zu vielen Ausländern und Aussiedlern haben, eine hohe Arbeitslosigkeit vor allem bei den Aussiedlern zu verzeichnen ist und Defizite in der Jugendarbeit, besonders in der Altersgruppe der 12-14jährigen bestehen. Dem gegenüber steht ein starkes Wir-Gefühl der Kücknitzer und ein starkes Integrationspotential. Im Vorfeld der Untersuchung richtete das Amt für Sozial- und Jugenddienste ein Stadtteilbüro mit zwei Sozialarbeiterinnen ein. Einerseits sollte die Identifikation der Bewohner mit dem Wohnbezirk gestärkt und andererseits das Neubaugebiet in den Stadtteil integriert werden. Die vernetzende Arbeit wurde zu einer der wichtigsten Aufgaben. Zwei Streetworker besuchten in erster Linie Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene dort auf, wo sie sich "auf der Straße" treffen - auf Spielplätzen, Parks, Bolzplätzen, Bushaltestellen und ähnlichen Einrichtungen. Im Laufe der Untersuchung richtete die "gab" eine Kindertagesstätte ein und plante eine Jugendwerkstatt und ein Internet-Café. Die Jugendwerkstatt steht kurz vor der Vollendung. Dort sollen 15 Kücknitzer Jugendliche und ein Auzubilder beschäftigt werden.
Eine wichtige Rolle spielte bei der Lösung der sozialen Probleme des Stadtteils Kücknitz die Arbeitsgruppe "Miteinander ohne Zoff - Kücknitz gegen Gewalt" des Lübecker Kriminalpräventiven Rates. Die Gruppe bemühte sich insbesondere, die türkischen Jugendlichen zu integrieren sowie Konflikte zwischen deutschen ausländischen Jugendlichen zu vermeiden. "Hier ist besonders der Einsatz von Pastor Michael Biehl und dem Leiter des 6. Polizeireviers Jochen Lippke sowie des Vereins Türgem zu erwähnen", sagte Senatorin Pohl-Laukamp. Auch die AWO entwickelte im Rahmen des Netzwerkes Konzepte.
Johannes Meyer vom Lübecker gemeinnützigen Bauverein erklärte, "die Untersuchung zeige, daß man die Wohnanlage Silberstraße nicht als sozialen Brennpunkt bezeichnen könne. Der Komfort, den die Wohnungen bieten und das Umfeld wirkten sich stabilisierend auf die Bewohner aus. Die Studie enthalte interessante Aussagen, die für die tägliche Arbeit des Wohnungsträgers bei der Lösung von Problemen wichtig sei. Eine veranstaltete Mieterversammlung, eine Mieterzeitschrift und ein ausgerichtetes Stadtteilfest seien Beispiele dafür.
"Wichtig sei", betonte Senatorin Pohl-Laukamp, "den immer noch nicht gefestigten Zustand in der Wohnsiedlung Silberstraße sowie im Stadtteil Kücknitz weiter zu verbessern. Deshalb müßten die bestehenden Maßnahmen noch für eine gewisse Zeit erhalten bleiben beziehungsweise weiterlaufen. Vor allem die soziale Selbsthilfe und die Integration der Silberstraßen-Bewohner im Quartier und im Stadtteil Kücknitz müsse gefördert werden. +++
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