2970015R 14. Januar 1997

Ein Jahr nach dem 18. Januar: Lübeck gedenkt der Brandopfer

Ein Jahr nach dem Brand in dem Lübecker Asylbewerberheim in der Hafenstraße, bei dem zehn Menschen ums Leben gekommen waren, ist das Bleiberecht für die meisten der 38 Überlebenden immer noch nicht gesichert. Darauf wies Bürgermeister Michael Bouteiller jetzt hin. Zwar sei für die Flüchtlinge in den abgelaufenen zwölf Monaten viel bewegt worden. "Wir können mit dem bisher Erreichten jedoch nicht zufrieden sein", sagte Bouteiller anläßlich einer Pressekonferenz zum Jahresgedenken.

Neben den Brandopfern seien auch die sogenannten "Altfälle", die zum Teil schon seit Jahren in Lübeck lebten und vielfach integriert seien, weiter von Abschiebung bedroht. Auch wenn die Betreuung und Unterbringung für die in Lübeck lebenden Flüchtlingen verbessert worden seien, so stehe weiterhin ein - am Maßstab einer der reichsten Zivilgesellschaften gemessen - "barbarisches Asylrecht" einem humanen Umgang mit Flüchtlingen entgegen. Er forderte die Innenminister Kanther und Wienholz nachdrücklich auf, endlich eine humanitäre Regelung für die Brandopfer zu treffen.

Bouteiller rief die Lübecker und Lübeckerinnen dazu auf, sich mit der Situation der Flüchtlinge und deren Heimatländern auseinanderzusetzen und die Forderung auf ein Bleiberecht und eine humane Flüchtlingspolitik zu unterstützen. Die am 14. Januar startenden Veranstaltungen und Aktionen des "Runden Tisches Brandanschlag auf unsere Synagoge" biete genügend Gelegenheit der Beteiligung.

Der Runde Tisch wurde im April 1994 nach dem Brandanschlag auf die Lübecker Synagoge von Bouteiller gegründet. In diesem Zusammenschluß arbeiten neben zahlreichen Einzelpersonen Vertreter von Parteien, Verbänden, Flüchtlingshilfen, Religionsgemeinschaften, Behörden und Institutionen mit. Seit der Brandkatastrophe in der Hafenstraße beschäftigte sich der Runde Tisch verstärkt mit der Situation von Flüchtlingen, organisierte Öffentlichkeitsarbeit und leistete konkrete Hilfe für die Betroffenen. Nicht zuletzt dessen Wirken schreibt es Bouteiller zu, daß mehr als die Hälfte der rund 430 Lübecker Flüchtlinge in Privatwohnungen leben und vier Gemeinschaftsunterkünfte geschlossen werden konnten.

Zum Jahrestag des Brandes in der Hafenstraße startet der Runde Tisch eine Reihe von Veranstaltungen und Aktionen. Den Auftakt bildet eine
Ausstellungseröffnung am 14. Januar, 18 Uhr im Foyer des Rathauses. Titel: Flüchtlingsleben - Beispiel Lübeck. Die Ausstellung ist bis zum Monatsende täglich geöffnet von 10 bis 18 Uhr.

Weitere Termine:

Schülerdemonstration: "Gegen Biedermänner und Brandstifter - für das Bleiberecht der Flüchtlinge". Freitag, 17. Januar, 12 Uhr, Markt.

Info-Abend: "Zaire - Abschiebestopp jetzt! Demokratie jetzt!" Freitag, 17. Januar, 17 Uhr, Kirchenkanzlei, Bäckerstraße 3-5.

Gedenkgottesdienst für die Opfer des Brandes. Freitag, 17. Januar, ab 22.30 Uhr, St.-Jürgen-Kapelle, Ratzeburger Allee.

Vortrags- und Diskussionsveranstaltung: "Ein Jahr nach dem Brandanschlag - Resümee und Ausblick". Sonnabend, 18. Januar, 19 Uhr, Diele, Mengstraße 41.

Benefizkonzert des Artemis-Quartetts: L.v. Beethoven, Streichquartett A-Moll Opus 132. Eintritt frei. Sonnabend, 18. Januar, 20 Uhr, St. Petri.

Film zum Thema (auf weitere Ankündigungen achten). Montag, 20. Januar, 20 Uhr, Kommunales Kino, Mengstraße 35.

Podiumsdiskussion "Wie kann das Bleiberecht durchgesetzt werden?" U.a. mit Mamadou Dlouck, Mitorganisator der Kirchenbesetzung in Paris. Sonnabend, 25. Januar, 20 Uhr, Großer Börsensaal, Rathaus. +++



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