970010R 10. Januar 1997

Lübecker Jugendherberge wird saniert und modernisiert

Die Lübecker Jugendherberge Am Gertrudenkirchhof 4 wird unter neuer Regie saniert, modernisiert und erweitert. Durch eine mit der Hansestadt Lübeck vertraglich abgesicherte Erbbaurechtsbestellung wird das Deutsche Jugendherbergswerk (DJH) Landesverband Nordmark, Hamburg, künftig die Jugendherberge in eigener Regie verwalten und unterhalten. Anläßlich des Baubeginns stellten der Geschäftsführer des DJH Reinhard Schimnick sowie der Hamburger Architekt Carl Michael Römer im Beisein von Lübecks Senator für Kultur, Bildung, Jugend und Sport Ulrich Meyenborg am Freitag, 10. Januar, in einem Pressegespräch das Bauvorhaben vor.

"Die erforderlichen Vorarbeiten wurden getroffen und die Bewilligungsbescheide zur Finanzierung liegen vor", sagte Schimnick. Mit dem Umbau werde in der kommenden Woche begonnen werden. Eile sei auch geboten, um die volle Nutzung der Jugendherberge so schnell wie möglich sicherzustellen. Im Frühjahr 1998 soll das dreiflügelige Gebäude fertiggestellt sein. Man habe den Bundespräsidenten bereits eingeladen, zur Einweihung nach Lübeck zu kommen. Ein Teilbetrieb mit 100 Betten, Küche und Frühstücksraum wird im hinteren zum Hof gelegenen Gebäudetrakt von April bis September diesen Jahres aufrechterhalten. Ausweichmöglichkeiten bieten in Lübeck das Jugendgästehaus in der Mengstraße und die Jugendherberge auf dem Priwall.

Die Lübecker Jugendherberge wurde 1953 als eine der ersten Einrichtungen dieser Art nach dem Krieg im Land Schleswig-Holstein erbaut. Sie wird bisher durch das Jugendamt verwaltet. Inzwischen sind das Gebäude und die Technik "in die Jahre gekommen". "Die Sanierung der Jugendherberge ist deshalb dringend erforderlich", sagte Senator Meyenborg. Insbesondere in den letzten Jahren sei der Standard der Jugendherberge im Rahmen einer Gästebefragung von den Nutzern deutlich kritisiert worden. Das beweise auch der Rückgang der Übernachtungszahlen in der Jugendherberge gegenüber der steigenden Nachfrage im Jugendgästehaus in der Mengstraße. Die baulichen Mängel und den veralteten Standard konnte die Jugendherberge bisher durch ihren zentralen Standort zur historischen Altstadt etwas ausgleichen. Der derzeitige Zustand sei jedoch aus wirtschaftlichen Gründen nicht mehr zu verantworten.

Zunächst wird der rechte Gebäudeflügel, in dem sich die Gemeinschaftsräume und der Küchentrakt befinden, vollkommen erneuert, das heißt abgerissen und neu erstellt. Die beiden bisherigen Bettentrakte im Mittel- und linken Flügel werden saniert und modernisiert. Anstelle von bisher acht, werden in den künftigen Zimmern vier beziehungsweise sechs Betten stehen. Die Bettenzahl insgesamt erhöht sich nur geringfügig von jetzt 220 auf 228. Das gesamte Erdgeschoß wird in fast allen Bereichen behindertengerecht ausgestattet. Ein Personenaufzug soll auch Rollstuhlfahrern ermöglichen, den großen Versammlungssaal im Obergeschoß zu erreichen. Auf allen Etagen werden die sanitären Anlagen - WC und Duschen - doppelt angelegt, so daß zum Beispiel gemischte Schulklassen zusammenhängend untergebracht werden können. Künftig sollen fünf Tagesräume zur Verfügung stehen sowie im Kellergeschoß ein Discoraum, Hobbyräume und eine Selbstkocherküche für Einzelwanderer. Insgesamt soll die Jugendherberge nicht nur für typische Jugendherbergsgäste, wie Schulklassen, Einzelwanderer und Familien attraktiv sein, sondern auch für Seminare und Lehrgänge angeboten werden.

Für die Grundsanierung, Modernisierung und Erweiterung im "Standard 2000" wurde eine Investitionssumme von 8,3 Millionen Mark veranschlagt. Bund und Land stellen jeweils 2.767 000 Millionen Mark zur Verfügung. Die Eigenmittel des Deutschen Jugendherbergswerkes betragen 910 000 Mark, die Hansestadt Lübeck übernimmt die Ausfallbürgschaft und den Schuldendienst für das vom Jugendherbergswerk aufzunehmende Darlehen in Höhe von 1.356 000 Millionen Mark. Die Possehl-Stiftung der Hansestadt Lübeck unterstützt das Bauvorhaben mit 500 000 Mark. Nicht enthalten im Finanzplan sind die Kosten für die Erstausstattung in Höhe von 574 000 Mark.

"Die außerordentlich schwierige Finanzierungsfrage bei einem Gesamtvolumen von 8,3 Millionen Mark habe zum heutigen Zeitpunkt einen erheblichen Kraftaufwand für alle beteiligten Institutionen, Organisationen und Finanzträger verursacht", betonte Senator Meyenborg. Möglicherweise sei es eine der letzten Baumaßnahmen, die mit Mitteln des Bundes und des Landes möglich seien. +++



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