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Buddenbrook- und Günter Grass-Haus legen Erfolgsbilanz vor

040072RK 2004-01-26

Genau 79 291 Besucherinnen und Besucher haben im vergangenen Jahr die Häuser der Kulturstiftung Hansestadt Lübeck - das Buddenbrookhaus und das Günter Grass-Haus - besucht. Das gab heute mittag Dr. Hans Wißkirchen, Direktor der Kulturstiftung der Hansestadt Lübeck, bei der Jahrespressekonferenz der Stiftung bekannt, bei der bei das vergangene Jahr analysiert und zugleich ein Ausblick für 2004 gegeben wurde.

Aufgeschlüsselt auf die beiden Häuser, besuchten fast sechzigtausend Gäste das Heinrich-und-Thomas-Mann-Zentrum in der Mengstraße, und auch das erst im Oktober 2002 eröffnete Günter Grass-Haus verzeichnete über 20 000 Gäste. Positiv ist auch der hohe Anteil von Führungen an der Gesamtbesucherzahl zu beurteilen, sagte Wißkirchen. So ließen sich bei 315 Führungen mehr als ein Viertel der Besucher durch die künstlerischen Welten von Günter Grass führen. Insgesamt gab es 906 Führungen in beiden Häusern, 176mal Literarische Spaziergänge durch Lübeck sowie 109 literarische, künstlerische und wissenschaftliche Veranstaltungen.

Annette Borns, Kultursenatorin der Hansestadt Lübeck und Stiftungsvorsitzende, betonte: „Lübeck hat mit den beiden Häusern der Literaturnobelpreisträger Thomas Mann und Günter Grass ein kulturelles Pfund in den Händen, mit dem wir auch in Zukunft wuchern wollen, zumal momentan mit den vorbereitenden Arbeiten für die Errichtung des Willy Brandt-Hauses begonnen wird und Lübeck damit ein drittes Nobelpreisträgerhaus hinzubekommt“.

„Wir sind stolz darauf, daß es uns in einem schwierigen kulturellen und wirtschaftlichen Umfeld gelungen ist, ein so gutes Ergebnis zu erreichen“, sagte Wißkirchen. Besonders lobte er die große Motivation und Leistungsbereitschaft aller Mitarbeiter. Höhepunkt der Ausstellungsarbeit im Buddenbrookhaus sei, neben der Präsentation der Bildersammlung von Marcel Reich-Ranicki und der Jubiläumsausstellung „100 Jahre Tonio Kröger“, die Ausstellung zu Leben und Werk Erich Mühsams anläßlich seines 125. Geburtstages gewesen. Die Schau habe ein großes überregionales Echo gefunden, wurde in München und Berlin gezeigt und soll 2004 unter anderem im Goethe-Institut Tel Aviv und der Gedenkstätte Sachsenhausen zu sehen sein.

Im Günter Grass-Haus gab es neben einer Reihe von Veranstaltungen zum Thema „künstlerische Doppelbegabungen“ zwei besondere Ereignisse: Zum einen das Sommerfest am 28. Juni, auf dem Günter Grass aus unveröffentlichten Gedichten las, und das eine sehr positive Resonanz gehabt hatte, wie Wißkirchen sagte. Zum anderen der Tag der offenen Tür am 20. Oktober 2003 anläßlich des einjährigen Bestehens. 1200 Besucherinnen und Besucher besuchten an diesem Tag das Günter Grass-Haus.

Ausblick 2004: Buddenbrookhaus

Für das Jahr 2004 muß auch die Kulturstiftung mit geringeren finanziellen und personellen Mitteln auskommen. Daher wird die Zahl der Ausstellungen und Veranstaltungen vor allem im Buddenbrookhaus reduziert, führte Wißkirchen aus. In Zukunft steht die Konzentration auf das Kerngeschäft, die Familie Mann, im Mittelpunkt der Arbeit. Dabei bildet die hervorragende Zusammenarbeit mit der Deutschen Thomas Mann- sowie mit der Heinrich Mann-Gesellschaft, beide in Lübeck ansässig, ein zukunftsträchtiges Fundament. Unverzichtbar ist weiterhin das personelle und finanzielle Engagement des Fördervereins Buddenbrookhaus. Weiter fortgeführt werden die Reihen „Debüt im Buddenbrookhaus“ mit der Vorstellung von Erstlingsromanen im Mai und Oktober sowie die dem Buchhaus Weiland durchgeführte Lesereihe „LiteraTour Nord“.

Neu sind im Buddenbrookhaus die monatlichen Schwerpunkte. Sie stellen die vorhandenen Ausstellungen für die Besucher unter ein Motto, das, den Möglichkeiten entsprechend, durch kleine Sonderpräsentationen und Veranstaltungen ergänzt wird. Begonnen wird im März mit dem Thema „Heinrich Mann als Leser“. Der Besucher erfährt, welche Bücher der Schriftsteller las, welche er im Exil besonders vermißt hat und erhält Einblick in seine Bibliothek .

Die Frühjahrstagung der Heinrich Mann-Gesellschaft im März 2004 beschäftigt sich in Lübeck mit dem noch viel zu wenig erforschten Gebiet der Intertextualität bei Heinrich Mann. Dieser hat als Leser die Werke anderer Autoren aufgenommen, und sie haben Einfluß auf sein eigenes Werk gehabt.

Nach einigen Jahren Pause gibt es im April wieder eine Frühjahrstagung der Deutschen Thomas Mann-Gesellschaft. Erstmals wird ein Förderpreis für eine herausragende wissenschaftliche Arbeit über Thomas Mann vergeben. Zusätzlich wird Dr. Werner Frizen über seine Edition von Thomas Manns Roman „Lotte in Weimar“ berichten, und die Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben die Möglichkeit, die Ausstellung im Günter Grass-Haus im Rahmen einer Führung zu besuchen.

Anläßlich des 50. Geburtstags von Thomas Manns Roman „Die Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“ ist im Buddenbrookhaus eine Sonderausstellung vom 7. August bis 31. Oktober 2004 geplant. 1954 als letzter Roman Thomas Manns erschienen, stellt das Werk in vielerlei Hinsicht etwas ganz Besonderes dar und ist mit den Buddenbrooks zusammen das populärste Werk Thomas Manns. Das Thomas-Mann-Archiv in Zürich besitzt Thomas Manns Dossiers mit Notizen, Manuskripten und den fast vollständigen Unterlagen, die dieser als Materialquelle für seinen Roman verwendet hat. Diese Materialien sollen exklusiv im Buddenbrookhaus gezeigt werden. Außerdem soll die Ausstellung einer Aussage Thomas Manns folgen, der davon gesprochen hat, daß der Roman einen poetischen Raum darstelle. Damit der Besucher dieses sinnlich-anschaulich erfahren kann, sollen Teile des Hauses zum begehbaren Roman umgestaltet werden - der Besucher soll buchstäblich durch den Roman spazieren und das Ambiente des Romans selbst erleben können. Die Verwirklichung hängt jedoch entscheidend von den eingeworbenen Sponsorengeldern ab.

Das Thema der Internationalen Tagung der Deutschen Thomas Mann-Gesellschaft im September dieses Jahres wird „Felix Krull“ und der europäische Schelmenroman sein. In einer Reihe von Vorträgen werden auch in diesem Jahr die Thomas Mann-Wissenschaftler den aktuellen Stand ihrer Forschung vorstellen und ihre Ergebnisse in gemeinsamen Diskussionen austauschen.

Ausblick 2004: Günter Grass-Haus

Vier Ausstellungen, die sich über das ganze Jahr verteilen, sind geplant. Auch Günter Grass wird wieder an einigen Veranstaltungen teilnehmen, so an einem Gespräch über sein Buch „Mein Jahrhundert“ am 17. Februar.

Die wichtigste und bedeutsamste Ausstellung der Kulturstiftung findet vom 3. April bis zum 31. Mai 2004 im Günter Grass-Haus statt. Unter dem Titel„Diesseits und jenseits von Arkadien - Goethe und Grass als Landschaftszeichner“ werden die Zeichner und Schriftsteller Johann Wolfgang Goethe und Günter Grass mit dem Schwerpunkt Landschafts- und Naturdarstellung konfrontiert. In Zusammenarbeit mit dem Goethe-Nationalmuseum / Stiftung Weimarer Klassik werden rund 90 Zeichnungen von Goethe und Grass gezeigt. Veranschaulicht wird das Verhältnis beider Dichter und Bildkünstler zur Landschaft und Natur, ihr Blick auf das Thema und seine Bedeutung in ihrem dichterischen wie schriftstellerischen Werk. Suchte Goethe noch nach der „idealen Landschaft“, zeigen gerade die späten Landschaftszeichnungen von Grass, etwa zum Waldsterben und zum Braunkohletagebau in Ostdeutschland, seine kritische Auseinandersetzung mit der durch den Menschen geprägten Kultur- und Industrielandschaft.

Anläßlich des Sommerfestes am 25. Juni wird voraussichtlich die Ausstellung "Chronographie Terrestre - Wort mal Schrift mal Bild hoch 3" von Horst Haack im Günter Grass-Haus eröffnet. Die Arbeiten zeigen ein täglich fortgeschriebenes Tagebuch, das jeweils in Bildtafeln à 30 Zeichnungen zusammengefügt und in Form eines begehbaren Kubus aufgestellt wird. Horst Haack (geb. 1940) hat Kindheit und Jugend in Lübeck verbracht und studierte Malerei an der Hochschule der Künste Berlin. Er lebt und arbeitet in Darmstadt und Paris. Seine der „visuellen Poesie“ verwandten Arbeiten wurden in Galerien und Museen des In- und Auslands gezeigt und sind in zahlreichen in- und ausländischen Sammlungen vertreten.

Die dritte Lübecker Museumsnacht am 21. August 2004 wird im Günter Grass-Haus mit der Vernissage der Ausstellung „Wortbilder und Wechselspiele“ verbunden. Die Ausstellung zeigt anhand von exemplarischen Exponaten aus dem bildkünstlerischen Fundus von Günter Grass, wie sich das Verhältnis von Schrift und Bild in seinen unterschiedlichen künstlerischen Produktionsfeldern ausnimmt.

Anläßlich des zweiten Jahrestages des Grass-Hauses wird es am 18. Oktober wieder einen Tag der offenen Tür im Günter Grass-Haus geben. Geplant sind ein vielfältiges Programm mit Führungen, Lesungen sowie weiteren Aktionen und kulinarischen Genüssen. +++


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