Digitales Pressedienstarchiv
Buddenbrook- und Günter Grass-Haus legen Erfolgsbilanz
vor
Genau 79 291 Besucherinnen und
Besucher haben im vergangenen Jahr die Häuser der Kulturstiftung Hansestadt
Lübeck - das Buddenbrookhaus und das Günter Grass-Haus - besucht. Das
gab heute mittag Dr. Hans Wißkirchen, Direktor der Kulturstiftung der
Hansestadt Lübeck, bei der Jahrespressekonferenz der Stiftung bekannt, bei
der bei das vergangene Jahr analysiert und zugleich ein Ausblick für 2004
gegeben wurde.
Aufgeschlüsselt auf die beiden
Häuser, besuchten fast sechzigtausend Gäste das
Heinrich-und-Thomas-Mann-Zentrum in der Mengstraße, und auch das erst im
Oktober 2002 eröffnete Günter Grass-Haus verzeichnete über
20 000 Gäste. Positiv ist auch der hohe Anteil von Führungen an
der Gesamtbesucherzahl zu beurteilen, sagte Wißkirchen. So ließen
sich bei 315 Führungen mehr als ein Viertel der Besucher durch die
künstlerischen Welten von Günter Grass führen. Insgesamt gab es
906 Führungen in beiden Häusern, 176mal Literarische Spaziergänge
durch Lübeck sowie 109 literarische, künstlerische und
wissenschaftliche Veranstaltungen.
Annette Borns, Kultursenatorin der
Hansestadt Lübeck und Stiftungsvorsitzende, betonte: „Lübeck hat
mit den beiden Häusern der Literaturnobelpreisträger Thomas Mann und
Günter Grass ein kulturelles Pfund in den Händen, mit dem wir auch in
Zukunft wuchern wollen, zumal momentan mit den vorbereitenden Arbeiten für
die Errichtung des Willy Brandt-Hauses begonnen wird und Lübeck damit ein
drittes Nobelpreisträgerhaus hinzubekommt“.
„Wir sind stolz darauf, daß es
uns in einem schwierigen kulturellen und wirtschaftlichen Umfeld gelungen ist,
ein so gutes Ergebnis zu erreichen“, sagte Wißkirchen. Besonders
lobte er die große Motivation und Leistungsbereitschaft aller Mitarbeiter.
Höhepunkt der Ausstellungsarbeit im Buddenbrookhaus sei, neben der
Präsentation der Bildersammlung von Marcel Reich-Ranicki und der
Jubiläumsausstellung „100 Jahre Tonio Kröger“, die
Ausstellung zu Leben und Werk Erich Mühsams anläßlich seines
125. Geburtstages gewesen. Die Schau habe ein großes überregionales
Echo gefunden, wurde in München und Berlin gezeigt und soll 2004 unter
anderem im Goethe-Institut Tel Aviv und der Gedenkstätte Sachsenhausen zu
sehen sein.
Im Günter Grass-Haus gab es neben
einer Reihe von Veranstaltungen zum Thema „künstlerische
Doppelbegabungen“ zwei besondere Ereignisse: Zum einen das Sommerfest am
28. Juni, auf dem Günter Grass aus unveröffentlichten Gedichten las,
und das eine sehr positive Resonanz gehabt hatte, wie Wißkirchen sagte.
Zum anderen der Tag der offenen Tür am 20. Oktober 2003
anläßlich des einjährigen Bestehens. 1200 Besucherinnen und
Besucher besuchten an diesem Tag das Günter Grass-Haus.
Ausblick 2004:
Buddenbrookhaus
Für das Jahr 2004 muß auch die
Kulturstiftung mit geringeren finanziellen und personellen Mitteln auskommen.
Daher wird die Zahl der Ausstellungen und Veranstaltungen vor allem im
Buddenbrookhaus reduziert, führte Wißkirchen aus. In Zukunft steht
die Konzentration auf das Kerngeschäft, die Familie Mann, im Mittelpunkt
der Arbeit. Dabei bildet die hervorragende Zusammenarbeit mit der Deutschen
Thomas Mann- sowie mit der Heinrich Mann-Gesellschaft, beide in Lübeck
ansässig, ein zukunftsträchtiges Fundament. Unverzichtbar ist
weiterhin das personelle und finanzielle Engagement des Fördervereins
Buddenbrookhaus. Weiter fortgeführt werden die Reihen „Debüt im
Buddenbrookhaus“ mit der Vorstellung von Erstlingsromanen im Mai und
Oktober sowie die dem Buchhaus Weiland durchgeführte Lesereihe
„LiteraTour Nord“.
Neu sind im Buddenbrookhaus die
monatlichen Schwerpunkte. Sie stellen die vorhandenen Ausstellungen für die
Besucher unter ein Motto, das, den Möglichkeiten entsprechend, durch kleine
Sonderpräsentationen und Veranstaltungen ergänzt wird. Begonnen wird
im März mit dem Thema „Heinrich Mann als Leser“. Der Besucher
erfährt, welche Bücher der Schriftsteller las, welche er im Exil
besonders vermißt hat und erhält Einblick in seine Bibliothek
.
Die Frühjahrstagung der Heinrich
Mann-Gesellschaft im März 2004 beschäftigt sich in Lübeck mit dem
noch viel zu wenig erforschten Gebiet der Intertextualität bei Heinrich
Mann. Dieser hat als Leser die Werke anderer Autoren aufgenommen, und sie haben
Einfluß auf sein eigenes Werk gehabt.
Nach einigen Jahren Pause gibt es im April
wieder eine Frühjahrstagung der Deutschen Thomas Mann-Gesellschaft.
Erstmals wird ein Förderpreis für eine herausragende wissenschaftliche
Arbeit über Thomas Mann vergeben. Zusätzlich wird Dr. Werner Frizen
über seine Edition von Thomas Manns Roman „Lotte in Weimar“
berichten, und die Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben die Möglichkeit,
die Ausstellung im Günter Grass-Haus im Rahmen einer Führung zu
besuchen.
Anläßlich des 50. Geburtstags
von Thomas Manns Roman „Die Bekenntnisse des Hochstaplers Felix
Krull“ ist im Buddenbrookhaus eine Sonderausstellung vom 7. August bis 31.
Oktober 2004 geplant. 1954 als letzter Roman Thomas Manns erschienen, stellt das
Werk in vielerlei Hinsicht etwas ganz Besonderes dar und ist mit den
Buddenbrooks zusammen das populärste Werk Thomas Manns. Das
Thomas-Mann-Archiv in Zürich besitzt Thomas Manns Dossiers mit Notizen,
Manuskripten und den fast vollständigen Unterlagen, die dieser als
Materialquelle für seinen Roman verwendet hat. Diese Materialien sollen
exklusiv im Buddenbrookhaus gezeigt werden. Außerdem soll die Ausstellung
einer Aussage Thomas Manns folgen, der davon gesprochen hat, daß der Roman
einen poetischen Raum darstelle. Damit der Besucher dieses sinnlich-anschaulich
erfahren kann, sollen Teile des Hauses zum begehbaren Roman umgestaltet werden -
der Besucher soll buchstäblich durch den Roman spazieren und das Ambiente
des Romans selbst erleben können. Die Verwirklichung hängt jedoch
entscheidend von den eingeworbenen Sponsorengeldern ab.
Das Thema der Internationalen Tagung der
Deutschen Thomas Mann-Gesellschaft im September dieses Jahres wird „Felix
Krull“ und der europäische Schelmenroman sein. In einer Reihe von
Vorträgen werden auch in diesem Jahr die Thomas Mann-Wissenschaftler den
aktuellen Stand ihrer Forschung vorstellen und ihre Ergebnisse in gemeinsamen
Diskussionen austauschen.
Ausblick 2004: Günter
Grass-Haus
Vier Ausstellungen, die sich über das
ganze Jahr verteilen, sind geplant. Auch Günter Grass wird wieder an
einigen Veranstaltungen teilnehmen, so an einem Gespräch über sein
Buch „Mein Jahrhundert“ am 17. Februar.
Die wichtigste und bedeutsamste
Ausstellung der Kulturstiftung findet vom 3. April bis zum 31. Mai 2004 im
Günter Grass-Haus statt. Unter dem Titel„Diesseits und jenseits von
Arkadien - Goethe und Grass als Landschaftszeichner“ werden die Zeichner
und Schriftsteller Johann Wolfgang Goethe und Günter Grass mit dem
Schwerpunkt Landschafts- und Naturdarstellung konfrontiert. In Zusammenarbeit
mit dem Goethe-Nationalmuseum / Stiftung Weimarer Klassik werden rund 90
Zeichnungen von Goethe und Grass gezeigt. Veranschaulicht wird das
Verhältnis beider Dichter und Bildkünstler zur Landschaft und Natur,
ihr Blick auf das Thema und seine Bedeutung in ihrem dichterischen wie
schriftstellerischen Werk. Suchte Goethe noch nach der „idealen
Landschaft“, zeigen gerade die späten Landschaftszeichnungen von
Grass, etwa zum Waldsterben und zum Braunkohletagebau in Ostdeutschland, seine
kritische Auseinandersetzung mit der durch den Menschen geprägten Kultur-
und Industrielandschaft.
Anläßlich des Sommerfestes am
25. Juni wird voraussichtlich die Ausstellung "Chronographie Terrestre - Wort
mal Schrift mal Bild hoch 3" von Horst Haack im Günter Grass-Haus
eröffnet. Die Arbeiten zeigen ein täglich fortgeschriebenes Tagebuch,
das jeweils in Bildtafeln à 30 Zeichnungen zusammengefügt und in
Form eines begehbaren Kubus aufgestellt wird. Horst Haack (geb. 1940) hat
Kindheit und Jugend in Lübeck verbracht und studierte Malerei an der
Hochschule der Künste Berlin. Er lebt und arbeitet in Darmstadt und Paris.
Seine der „visuellen Poesie“ verwandten Arbeiten wurden in Galerien
und Museen des In- und Auslands gezeigt und sind in zahlreichen in- und
ausländischen Sammlungen vertreten.
Die dritte Lübecker Museumsnacht am
21. August 2004 wird im Günter Grass-Haus mit der Vernissage der
Ausstellung „Wortbilder und Wechselspiele“ verbunden. Die
Ausstellung zeigt anhand von exemplarischen Exponaten aus dem
bildkünstlerischen Fundus von Günter Grass, wie sich das
Verhältnis von Schrift und Bild in seinen unterschiedlichen
künstlerischen Produktionsfeldern ausnimmt.
Anläßlich des zweiten
Jahrestages des Grass-Hauses wird es am 18. Oktober wieder einen Tag der offenen
Tür im Günter Grass-Haus geben. Geplant sind ein vielfältiges
Programm mit Führungen, Lesungen sowie weiteren Aktionen und kulinarischen
Genüssen. +++
